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Die Keramikindustrie braucht Gas

Bei einem Rundgang des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und CDU-Landtagsabgeordneten Oliver Krauß durch das Werk der Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG (DSCB) in Alfter-Witterschlick, informierten sich die Politiker am 26.04.22 bei dem Keramikhersteller über den aktuellen Anlass zur Sorge: Energie.

Die Keramikindustrie braucht Gas. Mit Beunruhigung wird von der Deutsche Steinzeug die politische Diskussion über ein Energieembargo gegen Russland verfolgt. In Folge des Krieges sind die Energiepreise explodiert; gegenüber dem vergangenen Jahr verzeichne man bereits eine Steigerung von bis zu 240 Prozent, verdeutlicht DSCB Vorstand Dieter Schäfer die Situation. Gleichwohl Wirtschaftsminister Robert Habeck die Versorgung für Kohle und Öl den jüngsten Nachrichten nach weitestgehend gelöst haben soll, werden Deutschland im Winter voraussichtlich ca. 30 Prozent des Gasbedarfs fehlen. „Wir können unsere Produktion nicht einfach temporär herunterfahren“, bekräftigt auch Dr. Thomas Hammer, DSCB-Werkleiter in seiner Führung durch die Produktion. „Jedes neue Hochfahren eines Ofens verschlingt sehr viel mehr Energie, als ein ununterbrochener Betrieb.“ Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier teilt im Gespräch die Sorgen. Er bekräftigt, dass die deutsche Energieabhängigkeit von Russland schnell beendet werden müsse, um Präsident Wladimir Putin die wirtschaftliche Grundlage für den Krieg zu entziehen. Er sei daher sehr für ein sofortiges Öl- und Kohleembargo. Beim Gas müsse sich Deutschland seiner Meinung nach aber noch Zeit nehmen. Die Bedeutung der Industrie für die Volkswirtschaft sei zu wichtig.

Energieintensive Industrien spielen eine wichtige Rolle für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland. Mit ihren Vorprodukten bilden sie das Fundament für weitere Kernindustrien. Unternehmen wie die Deutsche Steinzeug stellen nicht nur die Versorgung der Baubranche und damit u.a. den so notwendig benötigten Wohnraum sicher.

Mit vier Werken in Witterschlick, Schwarzenfeld, Ötzingen und Sinzig und insgesamt 1200 Mitarbeitern ist die Deutsche Steinzeug auch für die Stärkung des ländlichen Raums und des Mittelstands von Bedeutung. In Alfter-Witterschlick zählt das Keramikwerk mit ca. 300 Angestellten zu den größten Arbeitgebern Vorort.

Mit innovativen Produkten wird bei der DSCB daran gearbeitet, die Produktion energieeffizienter zu machen. Bei der Werkbegehung in Witterschlick überzeugt die Produktentwicklung der sechs Millimeter dünnen Fliese mit ihrer Materialeinsparung von 40 Prozent gegenüber der herkömmlichen Keramikfliese. Bouffier zeigt sich davon angetan, dass hier nicht nur Energie bei der Produktion eingespart, sondern auch bei Transport, Verpackung und Verarbeitung auf Nachhaltigkeit eingezahlt wird.

Die Deutsche Steinzeug ist mit ihrer regionalen Lieferkettenpolitik sehr gut aufgestellt. Alle vier Werke produzieren bisher weiter und es kann zuverlässig geliefert werden, um den eigentlich hohen Bedarf der Baubranche unverändert pünktlich zu bedienen. Auch nach dem Treffen zwischen Politik und Keramikhersteller bleibt die Frage: Was bringt die Zukunft, wenn Energie zum Standortfaktor wird?